
SPIRIT AND OPPORTUNITY
01.05. – 27.06.2004 | Eröffnung: 30.04 | 19.00
Uhr
„Als Zeichen Ihrer Solidarität mit den jüngsten
Ereignissen in der Welt, bitten wir Sie, die Tätigkeit,
die Sie gerade ausüben, für die nächste Minute
nicht zu unterbrechen.“
Beim Besuch einer Gruppenausstellung hörten Museumsbesucher
diese Mitteilung in regelmäßigen Abständen.
Offensichtlich hatte ein Museumswärter sein Radio auf
einen Sender gestellt, dessen Sprecher mit osteuropäischem
Akzent den Satz von Roman Ondák wiederholt in die aktuellen
Nachrichten eingeflochten hat.
Den Museumsbesuchern erschien die Mitteilung mit dem Titel
„Announcement“ (2002) wie eine plötzliche
Unterbrechung des Museumsalltags. Sie wurde als Aufforderung
verstanden, sich in einer bestimmten Weise zu verhalten und
durch diesen performativen Akt selbst Teil der Ausstellung
zu werden. Dieses Spiel mit Bedeutung, Kontext und Imagination
ist eines der zentralen Momente in Ondáks künstlerischem
Denken.
Roman Ondák entwickelt dabei eine große Intimität
zu Menschen, die als Betrachter oder Akteure an ihnen beteiligt
sind.
Für „Antinomads“ (2000) hat Roman Ondák
Freunde, Verwandte und Bekannte, die nicht reisen wollen,
in ihrer privaten Umgebung fotografiert. Diese Aufnahmen wurden
als Postkarten vervielfältigt und in Ausstellungen zur
freien Entnahme angeboten. Wie alle anderen Postkarten auch,
wurden sie von Touristen erworben und in die ganze Welt versendet.
Die „Antinomads“ wurden damit auf paradoxe Weise
zu Weltreisenden, indem Ondák dem zeitlichen und örtlichen
Stillstand eine neue Handlungsoption entgegensetzt, die beides
in sich vereint, Ortsverbundenheit und Mobilität.
Als ein genauer Beobachter unserer Realität hält
Ondák seine alltäglichen Wahrnehmungen in Form
von Zeichnungen und Notizen fest, aus denen er seine künstlerischen
Interventionen entwickelt, die durch Kontextverschiebungen
und poetisch anmutende Inszenierungen in die reale Welt zurückwirken.
Mittels eines ständigen und widersprüchlichen Transfers
von Bedeutungen, dem Einführen unerwartet Handelnder
in einen mit Erwartungen voll geschriebenen Ort oder der Wiederholung
desselben Bildes in verschiedenen Medien setzt er unserem
gewohnten Gleichgewicht von Wahrnehmungsprozessen ein empfindlich
störendes Gegengewicht hinzu und entlarvt dadurch unsere
mühsam austarierte Balance kollektiver Konstruktionsprozesse
von Inhalt, Bedeutung und den damit verknüpften Emotionen.
Roman Ondák arbeitet dabei mit unterschiedlichsten
künstlerischen Medien, wie Zeichnung, Performance, Skulptur
oder Installation.
Für seine Ausstellung im Kölnischen Kunstverein
– Roman Ondáks erster großer Einzelausstellung
– entwickelt er eine skulpturale In-situ-Arbeit. Auch
hier entsteht ein Erfahrungsraum voll von Verschiebungen,
Schwellen und unerwarteten Ausblicken. Er stellt der Wirklichkeit
seinen eigenen Gegenentwurf einer Welt gegenüber, der
zum poetisch anmutenden Schauplatz geheimer, unvorhersehbarer,
zufälliger Verhaltensweisen und kollektiver Sehnsüchte
wird. Der Ausstellungsraum nimmt die Materialität eines
Raumobjekts an, das wie ein Fremdkörper in die Wirklichkeit
hineingeschoben wirkt, gleichzeitig aber untrennbar von ihr
ist.
Erstmalig erscheint zur Ausstellung eine umfassende monografische
Publikation mit Arbeiten von Roman Ondák seit den 90er
Jahren. Die Textbeiträge sind von Georg Schöllhammer,
Igor Zabel und Hans Ulrich Obrist in deutscher und englischer
Sprache.
Biografische Daten
Roman Ondák wurde 1966 in ilina (Slowakei) geboren.
Er lebt und arbeitet in Bratislava.
Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl): Generali Foundation,
Wien (2004); Haus der Kunst, München (2003); &: gb
agency, Paris (2003); 50. Biennale von Venedig (2003); Gallery
Display, Praha (2003); Kunsthalle Zürich (2003); Museum
Ludwig, Köln (2002); Begane Grond, Utrecht (2002); Apex
Art C.P., New York (2000); Manifesta 3, Ljubljana (2000);
Moderna Museet, Stockholm (1999); Ludwig Museum, Budapest
(1999); Manifesta 1, Rotterdam (1996)
Künstlergespräch
Frank Frangenberg (Schriftsteller und Kunstkritiker, Köln)
im Gespräch mit Roman Ondák.
18.6., 19 Uhr
Ausstellungsführungen
21.5., 15.6., 18 Uhr Kathrin Rhomberg
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 13 bis 19 Uhr
Projekt Migration – ein Initiativprojekt der

Gefördert durch die
|