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FORCES
OF CIRCUMSTANCE
Wir alle sind mit Bedingungen konfrontiert, die wir nicht selbst
gewählt haben. Obwohl diese Beobachtung ein Allgemeinplatz
sein mag, wird die Weise, wie etwas in uns angesprochen wird, durch
die besonderen Umstände und unsere Wahrnehmung dieser Bedingungen
beeinflusst. Dieser Gedanke ist der rote Faden, der sich durch die
Filme dieser Reihe zieht. In der Artikulation dieses Gedankens –
der unausweichlichen Macht der Umstände – und in den
unterschiedlichen Trajektorien, die jeder dieser Filme nimmt, um
sie in einer Vielfalt von Registern mit bezwingender Kraft zu entwickeln,
liegt ihre Stärke und Schönheit. Innerhalb dieses Rahmens
und darüber hinaus werden immer wieder Fragen aufgeworfen:
„Was kannst du tun?” und „Was tust du?”.
In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach einer sozialen
Sphäre jenseits der individuellen Wirkungsmöglichkeiten,
nach einer größeren Einheit, in der von jedem Individuum
Entscheidungen getroffen werden, wie die verfügbaren Möglichkeiten
genutzt werden und ebenso wie diese ihrerseits die Macht der Umstände
formen oder unberührt lassen.
In jedem der Filme kann über diese Fragen vor dem Hintergrund
der unterschiedlichen Zeiten und Orte nachgedacht werden, in denen
er spielt. Gleichermaßen lassen sich die Möglichkeiten
abwägen, die den verschiedenen Protagonisten in diesen fiktiven
Erzählungen und Dokumentarfilmen zur Auswahl stehen, unabhängig
davon, wie begrenzt sie sind. Wir können die Verkettung der
Situationen, die mit den gegebenen Wahlmöglichkeiten entstehen,
in unsere Reflexionen einbeziehen und sie hinterfragen. Durch die
Filme erhalten wir die Möglichkeit, Situationen zu erleben,
die unser Verständnis übersteigen und in gleicher Weise
stellen sie uns vor die Aufgabe, weiter zu gehen, als uns möglich
erscheint. Situationen, die uns eine Gelegenheit geben, uns selbst
darüber zu befragen, wie wir in dieser komplexen und sich immer
wieder verändernden Welt bestehen und handeln können.
(Renée Green)
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Projekt
Migration
Kölnischer Kunstverein
Die Brücke, Hahnenstraße 6
D-50667 Köln
info@projektmigration.de
www.projektmigration.de
Eintritt Euro 5,- (Mitglieder KKV frei)
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Berlin-Jerusalem
(Amos Gitai)
F/Israel 1989, 89 min, OmU
Dieser außergewöhnliche Film folgt dem Leben zweier visionärer
Frauen - der deutschen expressionistischen Lyrikerin Else Lasker-Schüler
und der russischen Revolutionärin Manya Shohat. Indem der Film
das Leben Lasker-Schülers im dekadenten Berlin der 20er Jahre
und jenes Shohats in einer kollektiven Pionierbewegung in Palästina
parallel gegenüberstellt, begleiten wir ihre (fiktive) Freundschaft
und die persönlichen und politischen Enttäuschungen, die
sie später erfahren müssen. Beide verbindet das Gefühl
einer auf Jerusalem und dem Heiligen Land basierenden Identität,
wenngleich Elses Streben individueller und spiritueller Natur, Manyas
hingegen politisch motiviert ist.
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AGAV Films New York, K- Films Paris
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Who Killed Vincent Chin? (Christine
Choy & Renée Tajima)
USA 1988, 82 min, OF
Dieser für den Oscar nominierte Film, der von den absurden
Ereignissen um den brutalen Morde an Vincent Chin berichtet, ist
eine eindrucksvolle Abrechnung mit dem Rassismus im Amerika der
Arbeiterklasse. Bei der Feier seiner letzten Junggesellentage in
einer Bar in Detroit gerät Vincent Chin, ein 27-jähriger
Amerikaner chinesischer Abstammung, in eine Auseinandersetzung mit
Ron Ebens, einem Vorarbeiter bei Chrysler. Ebens attackiert ihn
mit rassistischen Beleidigungen, der Kampf verlegt sich ins Freie,
wo Chin in Gegenwart von Zuschauern mit einem Baseballschläger
von Ebens zu Tode geprügelt wird. Das Versagen des amerikanischen
Rechtssystem, die Rechte aller Bürger gleich zu achten und
zu werten, der Zusammenbruch der Automobilindustrie unter dem Druck
der Japanimporte und das Aus des amerikanischen Traums für
die Arbeiterklasse sind die Themen dieses Films.
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Filmakers Library New York
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I'm British, But... (Gurinder
Chadha)
GB 1989, 32 min, OF
In Interviews mit Jugendlichen südasiatischer Herkunft, die
an entlegenen und für Einwanderer untypischen Orten Englands
leben, untersucht Chadha in ironischer und humorvoller Weise die
Frage nationaler Identität. Durch seinen einzigartigen Bhangra
Soundtrack wird „I’m British But...” zum großartigen
Erlebnis einer kulturellen Synthese und gehört damit zu einem
der ersten britischen Filme über die zweite Einwanderergeneration
aus Südasien.
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BFI London
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Dreaming Rivers (Martine Attile)
GB 1988, 32 min, OF
Das Sankofa Filmkollektiv legt mit diesem Film einen poetischen,
visuell berauschenden und originellen Film vor, in dem es um Veränderung
geht. Miss T, eine Frau mit karibischen Wurzeln ist gestorben; die
Versammlung ihrer Kinder um ihr Totenbett entwirft neue und abweichende
Zukunftsperspektiven für das Leben, für die Hoffnung,
für England.
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BFI London, Martine Attile
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La Noire de... (Ousmane Sembene),
Ousmane Sembene Dakar
F/Sen 1965, 80 min, OmU
Der Film „La Noire de...” gilt als erster abendfüllender
Spielfilm Afrikas. Vor dem Hintergrund der Entkolonialisierung Afrikas
wird die Geschichte von einem jungen afrikanischen Mädchen
erzählt, das davon träumt, nach Paris auszuwandern, schließlich
nach Frankreich zieht und dort ein Leben als Zimmermädchen
führt. Verzweifelt aufgrund der Einsamkeit und der schlechten
Behandlung durch ihre Arbeitgeber beschließt sie, ihrem Leben
ein Ende zu setzen.
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BFI London
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The Grapes of Wrath (John Ford),
Hollywood Classics London
USA 1940, 128 min, OF
Eine Bauernfamilie, die seit Generationen unter harten Bedingungen
in Oklahoma lebt, wird zusammen mit anderen Familien von einem großen
Agrikulturunternehmer vertrieben. Es beginnt für sie in den
USA der Wirtschaftsdepression ein strapaziöser Exodus in den
Westen auf der Suche nach einem neuen Leben.
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Metropolis Archiv Hamburg
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Pressure (Horace
Ové)
GB 1975, 125 min, OF
Als einer der ersten schwarzen Filmproduktionen Großbritanniens,
hat „Pressure” nichts von seiner Aktualität verloren:
Tonys Geschichte handelt von Arbeitslosigkeit, Übergriffen
der Polizei gegen schwarze Jugendliche, Diebstahl, Drogenkonsum,
Demonstrationen, die schwarze Bewegung, politische Aktivität.
Tonys Eltern aus Trinidad leben mit ihrem in England geborenen Sohn
in Notting Hill. Von seinen weißen Freunden und deren Werten
ausgegrenzt folgt er seinem militanten älteren Bruder und engagiert
sich in der Black Power Bewegung.
Projekt Migration, ein Initiativprojekt der Kulturstiftung
des Bundes

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BFI London
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