«Toxi» von R.A. Stemmle. D: Elfie Fiegert, Paul Bildt, Al Hoosman, Elisabeth Flickenschildt. BRD 1952, 89’
Es gibt wohl keinen populären Film in der bundesdeutschen Nachkriegs-Filmgeschichte vor Fassbinder, der nicht-weiße Repräsentation so ausführlich und zentral zum Thema hat wie TOXI von R.A. Stemmle. Der Film kam zeitgleich mit der Einschulung der ersten nachkriegsgeborenen afrodeutschen Kinder ins Kino. Er ist als rührseliges Re-education-Projekt zu lesen, angetreten, um für Verständnis und Mitgefühl der Mehrheitsgesellschaft für die afrodeutschen Kinder zu werben. Dem Film gelingt es zwar, Ausgrenzungserfahrungen emotional nachvollziehbar zu machen, andererseits fanden die am Film Beteiligten (DrehbuchautorInnen Maria Osten-Sacken und Peter Francke und der an „der Linie des zeitproblematischen Unterhaltungsfilms“ interessierte Regisseur Stemmle) einen Plot, der „die Probleme simplifiziert und verfälscht und sie sogar bewusst in negative Tendenzen gleiten lässt. Als Lösung des Problems taucht Toxis [afroamerikanischer] Vater auf und nimmt sie mit „nach Hause“. Toxi, die bereits von einer weißen deutschen Familie aufgenommen war, bleibt nicht in Deutschland.“ (Yara-Colette Lemke Muniz de Faria: Zwischen Fürsorge und Ausgrenzung. Afrodeutsche „Besatzungskinder“ im Nachkriegsdeutschland, Metropol-Verlag Berlin, 2002).
Madeleine Bernstorff
One evening, a well-to-do Hamburg family finds a five-year old girl abandoned at the door of its villa. Her name is Toxi, and she's black, the daughter of a German woman (who died) and an African-American GI (who returned to the U.S.). Director Robert A. Stemmle effectively details the prejudices existing in Germany against mixed marriages, as well as against the children produced by these partnerships. In a series of extremely well scripted scenes, various German positions on race and racism are discussed with remarkable honesty and candor. Just as young Toxi has worked her way into the hearts of this German family, a resolution of sorts appears: her American father returns, hoping to take Toxi back with him.
aus einer Ankündigung des Harvard Film Archive, April 2005
Einerseits versucht [der Film] Toxi so „normal“ wie möglich darzustellen, d.h. größten Abstand von den Exotismen zu nehmen, von denen die Inszenierung Schwarzer in der Filmgeschichte bestimmt ist, andererseits scheint er beim Versuch, den Rassismus von Toxis Umgebung bloßzustellen, ihm zuweilen selbst anheim zu fallen. [...] Natürlich ist Toxi ein kleines Mädchen. An die (ödipale) Stelle von Vater Staat und seinen bundesdeutschen Stellvertretern, „Ersatzvätern“, die ideologisch-politische Positionen ausloten, tritt zum Schluss die narrative Lösung vom „richtigen“ Vater. Allein schon über ihr Geschlecht wird ein Einverständnis hergestellt, in dem sich patriarchaler Blick und paternalistischer Gestus mit einer „Verniedlichung“ im süßen Geschöpf treffen.
Annette Brauerhoch: „Mohrenkopf“ – Schwarzes Kind und weiße Nachkriegsgesellschaft
in TOXI, Frauen und Film Nr. 60, Frankfurt/Main 1997
Nach Ende des nationalsozialistischen “Rassenstaats” verschwand der offensive Rassismus des “Dritten Reichs” von den Leinwänden, nicht jedoch die Vorstellung, Deutschland sei eine “weiße” Nation. Deutlich wurde dies in der öffentlichen Debatte um die so genannten “Besatzungskinder” afroamerikanischer Väter und weißer Mütter. Mit Toxi entstand 1952 zur Einschulung dieser Generation afro-deutschen Kinder ein Film, der vordergründig um “Verständnis” warb. Indem er aber die Existenz Schwarzer Deutscher ausschließlich als sozialpädagogisches “Problem” begriff, die NS-Vergangenheit verdrängte und die Mütter pathologisierte, reproduzierte er homogenisierende Vorstellungen des “Weiß-Seins”.
Tobias Nagl in: Schwarze Deutsche, deutsches Kino. www.cybernomads.net
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