«Was ich von Maria weiß» von Gisela Tuchtenhagen. BRD 1971, 18’
Eine behutsame Beobachtung. Der Filmemacherin, geprägt von der Auffassung des direct cinema und einer solidarischen Position zu ihren ProtagonistInnen, gelingt ein Porträt, das schon im Titel die eigene Perspektive in Frage stellt, und genau darüber Lebensumstände und Verhältnisse zu fassen bekommt. „Ursprünglich wollte ich einen Film über das Erziehungsheim machen, in das ich mit 15 Jahren mal rein gekommen bin. Sie haben mir die Drehgenehmigung nicht gegeben. […] Ich bin dann auf Maria gekommen, ein spanisches Gastarbeiterkind, 13 Jahre alt, weil ich dachte, dass sie in dem Alter ist, in dem ich die meisten Schwierigkeiten hatte, und dass sie fremd hier ist. […] Als ich Maria dann näher kennen lernte, merkte ich, dass sie (und ihre Familie) schon sehr an unsere westdeutschen Verhältnisse angepasst sind. Deshalb ist dann auch ein ganz anderer Film entstanden als ich ursprünglich vorhatte. Ich musste ja ihrer Person gerecht werden und konnte sie nicht etwas spielen lassen, was sie gar nicht ist. Darum ist es ein Dokumentarfilm geworden, obwohl der Film sehr arrangiert ist. Ich habe Dinge interpretiert, die Maria nicht vor der Kamera und auch sonst nicht erzählt hat. Und ich habe das, was sie umgibt (Schule, Vater, Mutter, Geschwister, das Mädchen, das mit ihr zusammen verreist) so arrangiert, dass es wieder etwas über Maria aussagt.“
Gisela Tuchtenhagen – DFFB-Filmblatt 1972
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