„Shoot“
Vito Acconci In den 1970er
Jahren ist Vito Acconci mit Videoperformances bekannt geworden,
in denen er seinen eigenen Körper und einen intensiven, fordernden Dialog
zwischen Künstler und Publikum inszeniert. Immer wieder stellt er darin
aus, wie sich künstlerische, kulturelle und sexuelle Erwartungshaltungen
und Rollenmodelle in den Körper einschreiben. In „Shoot“ parodiert er
die Verbindung von nationaler und geschlechtlicher Identität. „Shoot“ ist
mit seinem filmischen Flackern ein visueller Dauerbeschuss, während Acconci
zusätzlich Maschinengewehr- und Explosionsgeräusche imitiert. Dazwischen
führt er die Hassliebe zu seiner – dem Pass nach – amerikanischen Identität
auf. Er hält Körperteile vor die Kamera: Gesicht, Bauch, Penis,
Hand, die so zu Performern werden. Wenn Acconci sowohl einen Cowboy als auch
einen Indianer mimt, lässt er seinen Penis sagen: „Ich bin ein wilder
Amerikaner ... versteckt eure Töchter ...!“. Später ruft er: „Nein,
ich habe einen italienischen Namen, der Name meines Vaters ist italienisch.
Ich bin überhaupt kein Amerikaner.“ Die performte amerikanische männliche
Subjektivität und ihre kriegerische Aggressivität, die Acconci auch
mal parodierend gegen die „Tradition“ und „Kultur“ Italiens stellt, aktiviert
nicht nur ein Klischee. Vor allem schreit Acconci hier gegen nationale Stereotypen
mit ihren psychischen und physischen Wirkungen auf jeden Einzelnen an. Mit
dem Entstehungszeitpunkt von 1974 ist „Shoot“ dabei nicht vom Vietnam-Krieg
zu trennen, der erst 1975 einen Abschluss finden sollte. Das Kindisch-kindliche
wie gewaltsames Gebaren, Maschinengewehre und Bomben zu imitieren, setzt sich
auch gegen die Kriegspropaganda zur Wehr, die genau diese männlichen Stereotypen
und nationalen Klischees reproduziert.
Künstler, geboren 1940, lebt und arbeitet in New York.
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