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"Deutschländersiedlung"

Aysun Bademsoy

Vor einigen Jahren stieß die Fimemacherin Aysun Bademsoy in der Türkei auf die "Deutschländersiedlungen". Deutschländer werden in der Türkei all jene genannt, die etliche Jahre im Ausland, meist in der BRD, gelebt und gearbeitet haben und dann zurückgezogen sind. Viele von ihnen wohnen nun in Siedlungen, die in den letzten zehn bis zwanzig Jahren entlang den Verbindungsstraßen zwischen den größeren Küsten städten entstanden sind. Bademsoy hat in einer dieser Siedlungen, unweit der Küstenstadt Mersin, den Alltag der Rückkehrer filmisch begleitet und erzählt von der Ambivalenz und den problematischen Seiten dieser Lebenssituation, als deren Bild die Architektur der Wohnanlagen selbst gelten kann. Die Anlagen sind mit eigener Infrastruktur und mit privatem Wachschutz ausgestattet und erinnern an Firmensiedlungen, die von amerikanischen Öl-Unternehmen in den 1960er Jahren für ihre Mitarbeiter und Familien 18 km von Mersin entfernt errichtet worden waren. Es ist ein modernistischer Traum: Eigenheim, eigene Restaurants und Bars, vor allem ein Swimmingpool und der Blick zum Meer. Gleichzeitig wurde das Schöner-Wohnen-Modell für im Ausland arbeitende Amerikaner kopiert. Anders als diese befinden sich die meisten Rückkehrer und Rückkehrerinnen im Ruhestand und/oder sind in der Lage, ihr Kapital für sich arbeiten zu lassen.

Der Wohntraum ist aber gleichzeitig eine Isolation. Hier ansässig zu sein, bedeutet meist, sich aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben zurückzuziehen. Denn viele Personen fanden nach der Rückkehr "ihre Türkei" von damals nicht wieder vor. Anders und schwieriger stellt sich indes die Situation für viele Jugendliche dar, die in "Oase" oder "Paradies 2" wohnen. Manche von ihnen sprechen kaum Türkisch, sind von den Schuluniformen und der strikten Geschlechtertrennung in den "Rückkehrer-Schulen" irritiert und noch mehr als ihre Eltern von den Städten in der Nähe isoliert. Sie sind es, die jede Gelegenheit wahrnehmen würden, um ihre alte Heimat, nämlich "Deutschland" zurückzukehren. Bademsoy, die in ihren Filmen stets ebenso spezifische wie für gesellschaftliche Prozesse symptomatische Konstellation fokussiert, und zeigt Ortlosigkeit und Immobilität als zwei Seiten der Migration.

Filmemacherin, geboren 1960, lebt und arbeitet in Berlin.

 

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Aysun Bademsoy