"Candan"
Madeleine Bernstorff
Elke aus dem Moore
"Homosexualität als Asylgrund" steht auf einem Transparent
geschrieben, das über der Oranienstraße in Kreuzberg/Berlin
hängt. Aufgenommen wur-de diese Forderung der schwulen, lesbischen
und transsexuellen Commu-nities mit einer Super-8-Kamera, die auch
auf andere Transparente schwenkt. Mit diesen werden auf Türkisch
und Arabisch alle Besucherin-nen des Christopher Street Days 1998
willkommen geheißen. Seit den 1990er Jahren hat sich mit
dem Kreuzberger CSD wie auch mit Gayhane, einer Party im ebenfalls
auf der Oranienstraße gelegenen Nachtklub SO36, die queere,
migrantische Szene einen eigenen Raum geschaffen. Der Super-8-Film
wurde von der Kulturproduzentin Madeleine Bernstorff und der Kuratorin
Elke aus dem Moore gedreht. Er ist wie ein privates Erinnerungsdokument
dem Alltäglichen und Direkten zugewandt. Der Film hat Teil
am Glamour der Diven und DJanes Lale Lokum, Sabuha Sal-lam und
DJ Ipek sowie an der Attraktivität der auf der Bühne
performtentranssexuellen Alternative zur heterosexuellen und mehrheitsdeutschenNorm.
Lale Lokum etwa imitiert die in der Türkei berühmte transsexu-elle
Sängerin Bülent Ersoy. Die Performances sind Party und
zugleich poli-tisches Manifest. "Candan" wiederum ist ein Statement
für die gelegent-liche Miniatur und nimmt Partei. Aus der
Beiläufigkeit des Gefilmten unddem Schnitt - während
des Drehs mittels der Kamera selbst - entstehtso ein involviertes,
alternatives historisches Dokument.
Madeleine Bernstorff, Filmkuratorin und Super-8-Filmerin,lebt
und arbeitet in Berlin,Elke aus dem Moore, Kuratorin, Künstlerin,lebt
und arbeitet in Stuttgart.
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