„Bouquet II“
Jeroen
De Rijke
Willem de Rooij
„Bouquet II, 2005/06“ ist Teil einer Bouquet-Serie,
die die Künstler Jeroen
de Rijke und Willlem de Rooij anfertigen ließen. Erstmalig
wurde das
Bouquet von Joseph Free, Florist in West Hollywood, LA, gebunden.
Das
Kölner Bouquet wird über die Laufzeit der Ausstellung von
dem Floristen
Floristin Mireille („Der Blumenladen“) erstellt. Alle
Bouquets übersetzen
mit ihren Farben und Formen einen Text, der von aktuellen politischen
Konflikten handelt. Der Text zu „Bouquet II“ berichtet über
vier Frauen,
deren Geschichten durch Ereignisse und Diskussionen im Zuge der Miss
World-Wahl 2002 miteinander verwoben sind.
Das prächtige, feierliche, ästhetische und zugleich doch
profane Gebinde
wird so zu einer Zerreißprobe: Hier verbinden sich symbolisch
politische,
religiöse und kulturelle Hauptkonfliktlinien, die seit dem 11.
September
2001 die internationalen Debatten bis hin zu Kriegen und bewaffneten
Aufständen bestimmen.
Das Bouquet ist von der Form nach einer Fotografie nachempfunden
und
nimmt in den Farben unter anderem Nationalflaggen auf. Die Fotografie
zeigt den Moment, als Agbani Darego, die Miss World 2001 aus Nigeria,
der Miss World 2002, Azra Akin, eine Niederländerin mit familiärer
Herkunft
aus der Türkei, gratuliert. Zuvor hatte ein Artikel von der
in England
aufgewachsenen Nigerianerin Isioma Daniels, die sich über muslimischen
Kritiker der Miss-Wahlen lustig machte, in Nigeria lutige Unruhen
ausgelöst. Daraufhin wurden die Miss-Wahlen von Nigeria nach
London verlegt. Die dritte Frau im Bunde ist die Nigerianerin Amina
Lawal. Sie wurde von einem Scharia-Gericht zum Tod durch Steinigung
verurteilt. Die Sharia wurde im muslimischen Norden Nigerias 1999
eingeführt.
Die in Somalia geborene Ayaan Hirsi Ali wiederum ist in die Niederlande
emigriert und entwickelte sich hier zur scharfen Kritikerin des
niederländischen Integrationsmodells. Auch attackierte sie anhand
der
Miss-Wahl den Import westlicher Schönheitsmodelle nach Afrika.
In „Bouquet II“ kommen also nicht nur Blumen, sondern
komplexe und
widersprüchliche Geschichten von Migration und Exil, von Spannungen
zwischen Islam und Christentum in Nigeria, von Sharia und „weltlichem“
Recht, Schönheitsvorstellungen und Bilderverbot sowie Post-
und Neokolonialismus
zusammen. Statt aber die Kulturkampfthese zu unterschreiben,
haben de Rijke/de Roij mit dem „Bouquet“ die beiden großen
historische
Bildtraditionen miteinander verknüpft: die Gegenständlichkeit
des
christlichen und säkularen Westens und die abstrakt-florale
Ornamentik
des Islam.
Jeroen de Rijke geb. 1970 und Willlem de Rooij, geb. 1969 arbeiten
seit
1994 zusammen, vornehmlich in Amsterdam.
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