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"Innuendo"

Lukas Duwenhögger

Die Bilder, Möbel und Gegenstände in Lukas Duwenhöggers Installation sind anspielungsreiche Verweise, mittels derer sich explizite Benennungen wortreich vermeiden lassen. "Innuendo", der Titel der Arbeit, bedeutet so viel wie "es durch die Blume sagen". Diese Redeweise ist eine der herrschenden Moral, die zum Beispiel mit Namen von Blumen Schwule bezeichnet. Unter anderem sind Stiefmütterchen und Butterblumen auf das von der Decke herabhängende Federbett gemalt. Auch die anderen Elemente der Installation sind Weisen des anspielungsreichen Sagens: sowohl die vielfältigen Bezüge auf die Jahrhundertwende - wie mit der gemalten Rennbahnszene - als auch die Figur der Eliza Doolittle, die eine der Frauen auf dem Gemälde ist. Sie stammt aus George Cukors Film "My Fair Lady" (1964), war ein Blumenmädchen und sollte von dem frauenfeindlichen Sprachprofessor Higgins zu einem "Menschen" erzogen werden. Duwenhögger variiert mit dem gemalten Bild eine berühmte Fotografie von Jacques-Henri Lartigue von 1911: "Le Jour des Drags" - Verkleidung, oder eben "Drag". Lartigue selbst befand allzu auffällige Roben und Hüte eindeutig als Zeichen für eine "zweifelhafte Moral". Gleichermaßen bezieht sich das Bild auf Cukors "My Fair Lady", in dem Eliza oppulent ausgestattet auf der Rennbahn steht. Der Kostümbildner dieses Films, Cecil Beaton, hatte sich wiederum von Lartigues Fotografie inspirieren lassen. Die Töne aus dem Radio nehmen die bisher ausgelegten Fäden der Installation wieder auf: Unter anderem ist ein Ton-Mitschnitt aus "My Fair Lady" zu hören, in dem sich Higgins über die Undankbarkeit von Eliza empört. Er erzog sie zu "seinesgleichen" und nun begehrte sie ihn tatsächlich und seine Welt. "Eliza" steht damit als schillernde Figur für die Hierarchien, mittels derer gesellschaftliche Akzeptanz und Teilnahmebedingungen reguliert werden. Die Logik des offenen Geheimnisses zirkuliert dabei, so Duwenhögger, auf Kosten von Personen, die seitens der herrschenden Normalität gleichzeitig für transparent und undurchdringbar erklärt werden. Duwenhöggers Installation führt die Notwendigkeit, aber auch die Lust an Doppelbödigkeit, am Reichtum der Codes und dem Überschuss des Dekors vor. Der aus Sand geformte Schmetterling ist gleichermaßen ein Code, dessen Existenz durch Plumpheit und Ungeschick gefährdet ist.

Künstler geboren 1956, lebt und arbeitet in Istanbul.

 

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Lukas Duwenhögger