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"L' Amore"

Hans-Peter Feldmann

Von den sechs Aufnahmen der Serie "L'Amore" des Künstlers Hans-Peter Feldmann ist nur bekannt, dass er sie gefunden hat. Gleichwohl meint man, sich aufgrund von fotografischen Konventionen die Entstehungsge-schichte der Fotografien vorstellen zu können. Der Titel "L'Amore" stammt dabei von Feldmann selbst und ist so interpretierend wie roman-tisierend. Aber anders als klischeehafte "Amore"-Bilder der Tourismus-oder Werbeindustrie ist Feldmanns "L'Amore"-Zyklus einem numerischen Prinzip unterworfen - die Amateurfotos zeigen drei Mal eine Frau, drei Mal einen Mann; beide sind einmal angezogen (vor demselben Blumen-beet) und zwei Mal nackt (in demselben Zimmer bzw. auf demselben Bett) zu sehen. Durch diese Symmetrie erhält die Bilderreihe Studien-charakter - Thema der Feldmann'schen Untersuchung scheint die Mischung aus Gewöhnlichkeit und Einzigartigkeit bzw. Intimität und Öffentlichkeit zu sein. Das Posieren vor Blumenbeeten an einem fremden Ort gehört zu den häu-figsten Motiven der Amateurfotografie. Die Aufnahmen im Hotelzimmer wirken dagegen gerade durch ihren unspektakulären Charakter und die krude Nacktheit der Abgebildeten einzigartig. Weil die Fotografierten auf eine Selbstinszenierung weitgehend zu verzichten scheinen, ergibt sich für die Zuschauer der Eindruck des Eindringens in einen extrem privaten Raum. Feldmann führt mit diesen Bildern vor, wie rasch aus scheinbar privaten Angelegenheiten öffentliche werden können. Es handelt sich aller-dings nicht um für die Boulevardpresse taugliches Material, sondern um private Szenen einer Beziehung, die von vielen immer noch missbilligend beäugt wird, da es sich um Partner unterschiedlicher Hautfarbe handelt. Feldmann gelingt also durch die bloße Auswahl und Ausstellung der Foto-grafien ein politisches Statement zum alltäglichen Gebrauch von Bildern, deren Informationsgehalt stark von den Umständen ihrer Rezeption ab-hängt - im vorliegenden Falle handelt es sich um ihr Betrachten im Rah-men einer Ausstellung, die die Besucher einlädt, ihre eigenen Vorstel-lungsbilder mit den ausgestellten Bildern zu konfrontieren. Auch der Voyeurismus, den Feldmann mit der Ausstellung seiner Fotogra-fien provoziert, hat politische Aussagekraft, wenn man bedenkt, dass der Künstler 1975 als Pornomodell posierte und die Bilder an Bekannte aus dem Kunstbetrieb schickte. Seine Begründung lautete, dass tagein, tag-aus auf den Straßen kaum beachtete Dinge passieren würden, für die man sich viel eher schämen müsste als für die eigene Nacktheit.

Künstler, geboren 1941, lebt und arbeitet in Düsseldorf.

 

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Hans-Peter Feldmann