"Border Horizons"
Doris Frohnapfel Die Diaprojektion "Border
Horizons" besteht aus 295 Aufnahmen von Grenzarchitekturen und
Grenzlandschaften, die die Fotografin Doris Frohnapfel aus einem
Konvolut von über 5.000 ihrer Bilder ausgewählt hat.
Der phänomenologische Blick von Frohnapfel auf Grenzarchitekturen
ist dabei betont unspektakulär. Im Gegensatz zu einer Brüsseler
Europa-Euphorie zeigen die Fotografien eher die Tristesse der Grenzräume
im Rahmen einer 40-minütigen Bilderreihe ohne Ortsangaben:
vorwiegend menschenleere Markierungen aus Beton, Zäunen oder
Gittern, bloße Äcker, Wiesen, Meerengen, oder kilometerlange
LKW-Schlangen. Über mehrere Jahre hinweg hat Doris Frohnapfel
zwischenstaatliche Grenzen, meist EU-Außengrenzen und Schengengrenzen
fotografiert. Die Bilder reichen von Istanbul und Ceuta als südlichste
Orte bis hin zu Raja-Jooseppi, einer der nördlichsten Posten
zwischen Finnland und Russland. Dokumentiert sind auch die neuen
Verläufe und Grenzerrichtungen durch den EU-Beitritt vieler
Länder und damit auch der historische Wandel von Grenzlandschaften.
Dazu gehören die neuen Staatsgrenzen der baltischen Länder
oder der Hafen in Bergen, der erst vor kurzem festungsartig eingezäunt
wurde, da Norwegen zwar zu Schengen aber nicht zur EU gehört,
Großbritannien wiederum Mitglied der EU ist, aber Schengen
nicht unterzeichnet hat; oder die Oder-Neiße-Linie, die
zunächst Blockgrenze, dann EU-Grenze und schließlich
Schengengrenze war, und heute eine einfache EU-Staatengrenze ist.
Die Betrachter sind durch diese Bilder auch mit der Grenze der
eigenen Wahrnehmung konfrontiert. Man wird auf einer bestimmten
Distanz zur Grenze gehalten - auf jenem Sicherheitsabstand, den
Frohnapfel selbst einnehmen musste, um nicht zu riskieren, die
Grauzone des Verbotenen zu übertreten oder sich den Film konfiszieren
zu lassen. Nach diesem "Schengen-Abstand", wie Frohnapfel ihn nennt,
bemisst sich, was und wie viel zu sehen ist. Der Titel "Border
Horizons", "Grenzhorizonte", spielt auf dieses beschränkte
Blickfeld an, was gleichzeitig Neugier provoziert: Neugier auf
das, was hinter den Sichtstreifen liegen mag, "außerhalb" des
europäischen Raums, denn der Blick geht, aus EU-Perspektive,
von "Innen" nach "Außen". Die Aufnahmen lassen ersehen, welches
nicht wahrnehmbare "dahinter" die EU als (Vorstellungs-)Raum konstituiert.
Das Projekt wird von Texten begleitet und liegt in Buchform
vor: 247 Fotografien und Texte von Ulli Seegers und Doris Frohnapfel,
zahlreiche Zitate aus europäischen Zeitungen, Webcam
Bildern, Ansichtskarten und e-mail Interviews mit Maja Bajevic ´ ,
Thierry Geoffroy, Ron Haselden, Dan Mihaltianu, Tanya Ury und
Anu Vahtra (erschienen im Salon Verlag, Köln).
Künstlerin, geboren 1959, lebt und arbeitet in Köln.
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