"Unawarded Performances"
Gülsün Karamustafa In
der Türkei wird seit dem Umbruch in Osteuropa nach 1989 der
Markt für ungelernte Arbeitskräfte zunehmend von Einwanderern
bestimmt. Wie spezifisch dabei die politischen Bedingungen der
Migration und ihre Motive sind, stellt die Künstlerin und
Filmemacherin Gülsün Karamustafa anhand einer migrantischen
Gruppe in Istanbul heraus: Für "Unawarded Performance" interviewte
sie Moldawierinnen über ihre Arbeitssituation. Ohne Papiere,
verdienen diese Moldawierinnen mit der Betreuung von älteren
Frauen aus wohlhabenden bürgerlichen Haushalten ihr Geld.
Sie ernähren damit ihre Familien in Moldawien und versuchen,
ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren. In Istanbul werden
sie wegen ihrer regionalen Herkunft, dem südmoldawischen Gaugasien,
für die Haushalts-und Betreuungstätigkeit bevorzugt,
da sie aufgrund der gaugasischen Sprache mühelos Türkisch
verstehen und sprechen. Mit dem Zusammenbruch der Ökonomie
in Moldawien bzw. Gaugasien nach 1989 waren diese Frauen sehr
plötzlich mit einer Armutssituation konfrontiert.
Karamustafa geht auf ihre spezifischen Situationen ein. In "Unawarded
Performance" bleiben einige der Interviewten anonym. Andere
Hausarbeiterinnen werden innerhalb der Istanbuler Wohnungen
zusammen mit ihren Arbeitgeberinnen in einer Mischung aus fotografischem
Erinnerungsbild und Dokumentation gezeigt. Die Kamera fährt
die Inneneinrichtung und die prächtigen Hauseingänge
ab und zeigt damit die gänzlich anderen Arbeits- und Klassenstrukturen
sowie geschlechtlichen Rollenverteilungen, denen die Frauen
aus einem postkommunistischen Land nun in Istanbul ausgesetzt
sind. Keine der Interviewpartnerinnen war zuvor als Hausarbeiterin
tätig. Karamustafa hebt nicht nur die unterschiedlichen
Lebensaspekte ihrer Interviewpartnerinnen hervor, sondern vervielfältigt
gleichzeitig die medialen Bilder von Migration.
Künstlerin, geboren 1946, lebt und arbeitet in Istanbul.
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