projektmigration  
Thema      Projekt      Partner        Führungen      Archiv      Informationen         
      Programm             
d | e
   
 

"Ohne Titel" "Schichtwechselwirkung"

Angela Melitopoulus

Das von Angela Melitopoulus ausgestellte Modell und dessen Fotografie sind während der Produktion ihres Video "Passing Drama" (1999) entstanden. Das Modell wurde von ihrem Vater aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Es dokumentiert das Dorf seiner Kindheit, Ptelea, im Norden Griechenlands. "Passing Drama" ist ein Hörbild der Geschichte von Angela Melitopoulos' Familie. Es erzählt von deren Flüchtlingsgeschichte, die Angela Meliopoulos über drei Generationen hinweg als fragmentarisches Bild erreichte. Flucht als das grundlegende Motiv wurde in "Passing Drama" zum videografischen Thema über Erzählung, Geschichte und Gedächtnis. Innerhalb des Films und nun im Ausstellungsraum nehmen das Modell und die Fotografie einen eigenen Raum der Erzählung und Erinnerung ein und geben Geschichten Raum. Teilweise werden sie von Angela Melitopoulos in ihrem Text "Schichtwechselwirkung" erzählt. Wie in "Passing Drama" geht es auch hier vor allem um Intensitäten und Unmöglichkeiten der Erinnerung an eine Geschichte, die nach wie vor unaufgearbeitet und kaum im kollektiven Gedächtnis vorhanden ist. 1923 mussten gemäß dem Vertrag von Lausanne circa 1,5 Millionen Griechen aus ihren in der Türkei liegenden Dörfern verlassen und umgekehrt ungefähr 500.000 türkische Bewohner ihre Dörfer im griechischen Gebiet. Im Zuge dieser Umsiedelung und Deportationen, der "kleinasiatischen Katastrophe", kamen die Großeltern von Angela Melitopoulos nach Ptelea. Während des zweiten Weltkriegs wurde Griechenland dann von einer Deutsch-Bulgarischen Allianz besetzt und ihr Vater wurde im Alter von 18 Jahren als Zwangsarbeiter in ein SS-Arbeitslager in Maria-Lanzendorf bei Wien gebracht. Schließlich führte in Griechenland den 1950er Jahren die Krise der Tabakindustrie zur Arbeitsmigration. Ihr Vater ging nach München. Anhand dieser Familienbiografie zeigt sich eine persönliche wie politische Kontinuität der Migration und Flucht vom ersten Weltkrieg über die Zwangsarbeit bis zur deutschen "Gastarbeit". Diese Kontinuität betrifft auch die Frage, wer jeweils an der Infrastruktur der modernen Ökonomien mitgearbeitet und wer davon profitiert hat.

Künstlerin, geboen 1961, lebt und arbeitet in Köln.

 

<< zurück zur Ausstellung

    

 

Angela Melitopoulus