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"Es will mir nicht aus dem Sinn"

Taszro Niscino

Eines der prominentesten Denkmäler Kölns, das Reiterstandbild Wilhelms II an der Hohenzollernbrücke am Rhein, ist für die Dauer der Ausstellung eingerüstet. Über eine Treppe gelangt man nun in ein wohnliches Zimmer, aus dessen Boden die zwischen 1907 und 1911 errichtete Skulptur nur noch teilweise ragt. Sie ist zu einem Schmuckgegenstand in einem privat- öffentlichen Raum geworden, auf Augenhöhe der Betrachter und Betrachterinnen. Bereits in mehreren seiner Projekte hat der Künstler Tazro Niscino alias Tatsurou Bashi Höhen- und Größenverhältnisse verkehrt und das in einer politischen oder religiösen Hierarchie höher Liegende auf Alltagsniveau heruntergeholt. "Queen Victoria" etwa, ein öffentliches Denkmal in Liverpool, hatte er so einrüsten lassen, dass die Statue in einem Hotelzimmer stand. Mit Wilhelm II von Hohenzollern, dem letzten Kaiser des deutschen Reiches, trifft es nun den Enkel von Königin Victoria.

Für Niscino steht Wilhelm II als Mitglied eines europäischen Herrschaftshauses einerseits dafür, dass es auch in Adelsfamilien Migration gab, diese also nicht ausschließlich "Arme" betrifft. Andererseits ist die Phase der Regentschaft Wilhelms II von 1888 bis 1918 weltweit durch verschiedenste Migrationsbewegungen gekennzeichnet, ausgelöst durch die Hochindustrialisierung seit der Reichsgründung 1971, den deutschen Kolonialismus und schließlich den ersten Weltkrieg. In den 1880er Jahren etwa schoss die Nachfrage nach Arbeitskräften insbesondere im Bergbau und in der Schwerindustrie in die Höhe. Andere Beschäftigungsbereiche folgten nach. Die Zuwanderungspolitik unter Wilhelm II war dabei auf eine scharfe Beobachtung der Zuwanderung aus Österreich- Ungarn und Russland ausgerichtet - mit dem Ziel, die Einwanderung der so genannten "Reichsfeinde" zu verhindern. Die wohnliche Atmosphäre von Niscinos Zimmer lädt zu einer Konfrontation mit dem letzten Kaiser Deutschlands und dieser Epoche ein. Nicht zuletzt könnte man hier imaginäre Konversationen über Kontinuitäten und Zusammenhänge von ökonomischer Entwicklung und Fremdenfeindlichkeit oder Kolonialismus und Migration führen.

Künstler, geboren 1960, lebt und arbeitet in Köln.

 

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Taszro Niscino