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"Vom Kommen und vom Gehen"

Marcel Odenbach

Marcel Odenbach, der zu den Pionieren der Videokunst in Deutschland zählt, beschäftigt sich seit Mitte der 90er Jahre zunehmend mit Flucht und Migration. Seine Videos arbeiten gegen das Vergessen an und geben aktuellen Bildern eine historische Dimension. In "Vom Kommen und vom Gehen" schichtet er Zeitebenen über ander auf. Nach einer ersten Sequenz mit einem kleinen Segelboot wird man mit historischem Found-footage-Material konfrontiert. Zu sehen ist Hitler bei einer Flottenparade. Während des ganzen Films durchdringen sich zwei Ebenen. Einerseits fahren Fracht-, Vergnügungs- und Sportboote vor der Kulisse eines Gewer-begebietes durch das Kamerabild. Andererseits tauchen wie Gespenster Gegenbilder aus dem Wasser auf: U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg und vor allem immer wieder Flüchtlingsschiffe aus verschiedenen Zeiten des 20. Jahrhunderts, von überfüllten Frachtern bis zu Schlauchbooten. Die Geräuschkulisse reicht dabei zunächst von Schubert über Wagners "Rheingold", über Boots- und Wassergeräusche bis hin zu House- und HipHop-Musik - eine Reise von deutscher Hoch- zu afroamerikanischer Subkultur. Alle Bilder und Elemente gehören zu einer Geschichte der Migration: die Gewässer um New York, durch das die Freizeitboote fahren, afroamerikanische Musik, deutsche Kriegsschiffe und natürlich Flüchtlingsboote. Diese Geschichte ist der Wasseroberfläche nicht ablesbar, womit sie zur Meta-pher des Vergessens wird. Dagegen holt Odenbach aus der Wassertiefe jene "Störbilder" hervor. "Vom Kommen und vom Gehen" endet so lapidar wie sein Titel. Zwei Männer gehen einen Pier am New Yorker Hudson River entlang, aufgenommen in Zeitlupe, und damit der Gegenwart etwas entrückt: Bilder eines Lebens im zeitgenössischen New York.

Künstler, geboren 1953, lebt und arbeitet in Köln.

 

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Marcel Odenbach