"A Hierarchal Structure of Identity Norms makes up the Backdrop for a Surface
Appearance of Normality in its Idealized Dimensions"
Henrik Olesen
Die großen
Collagen von Henrik Olesen zeigen eine vertraute Schulsituation:
Jugendliche schreiben Worte und Sätze auf eine Tafel. Ungewöhnlich
ist dabei, dass sie Antworten darüber zu erhalten suchen,
wer sie sind, und gesellschaftliche Erwartungshaltungen hinterfragen: "Wer
will was von wem?" oder "Ich will nicht drängen, aber würden
Sie mich darüber informieren, wer ich bin?" ("I hate to seem
inquisitive, but would you inform me who I am?"). Diese Fragen
sind eine Reaktion auf den immer wieder gesellschaftlich und kulturell
geforderten Ausweis der eigenen Identität: "A demand to be
identified". Henrik Olesen, der sich in seinen konzeptuellen Arbeiten
mit der Formierung und Regulierung von geschlechtlichen, kulturellen
oder politischen Identitäten beschäftigt, stellt diese
Situation vor der Tafel und in der Schule als eine paradigmatische
aus: Hier wird mehrheitsgesellschaftliche Normalität in ihren "idealisierten
Dimensionen" eingeübt und Fehler im weitesten Sinne korrigiert.
Schule ist der Ort, an dem Kinder zu guten (heterosexuellen) Staatsbürgern
erzogen werden: "Nationalität - Nationalstaat - Missionarsstellung".
Auch werden an Schulen Probleme einer Gesellschaft ausgehandelt - man
denke etwa an den Kopftuchstreit oder die Diskussionen zur Frage,
wer für "Pisa" verantwortlich ist. Andererseits steht "Schule" bei
Olesen allgemein für jede disziplinarische Situation, in
der von Personen verlangt wird, sich einer Normalität anzupassen.
Es handelt sich dabei um ein hierarchisches Verhältnis, in
dem die Mehrheitsgesellschaft bestimmt, wer die anderen sind.
Die Collagen, die als Ausdrucke und mit ihren klaren Text-Bild-Verhältnissen
eher wie Plakate oder selbst wie bemalte Tafeln gehalten sind,
sind nicht zuletzt ein Statement gegen diese Macht der Definition.
Künstler, geboren 1967, lebt und arbeitet in Berlin.
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