"Scheißliche Ostblocker"
Boris Ondreička
Boris
Ondreič ka arbeitet in den meisten seiner Zeichnungen, Installationen
oder Texten, die um Wahrnehmung und Erinnerung kreisen, mit popu-lärer
Musik. Sein Wandtext "Scheißliche Ostblocker" ist nach Nina
Simne konzipiert, jener Sängerin, die der Soul-Musik überhaupt
mit zum Erfolg verhalf und sich immer wieder in ihren Liedern gegen
Diskriminierung und Rassismus zur Wehr gesetzt hat. "Scheißliche
Ostblocker" mag eines der weltweit Millionen Schimpfworte gegen
Personengruppen sein. Gerade in der Popkultur gehört das Aneignen
von Schimpfworten zur Proteststrategie. In seinem Wandtext, der
selbst ein Song-Text sein könnte, erhebt Ondreič ka die
Aneignung allerdings nicht zum alleinigen Prinzip. Die Sätze
führen vor, wer jemand - aus der Sicht der anderen - angeblich
ist und gehen alle möglichen Identitätsangebote durch:
persönliche Beziehungen, Geschlecht, Arbeit, Staatsbürger
oder Klassenfragen. "Sie nennen mich Arbeiter, Fanatiker, (schwarzer)
Passagier [...] Sie nennen mich Free-Lancer, Arbeitsloser, Scharlatan
[...] Sie nennen mich Subjekt, Bewohner, Bürger und Slowake.
Sie nennen mich Fremder, Alien, Europäer und offensichtlich ,Scheißliche
Ostblocker' [...]." Wer jemand ist, wird hier allein schon durch
die Anzahl der Worte relativiert. Darüber hinaus sind diese
bisweilen gegensätzlich oder zumindest sehr unterschiedlich: "Spezialist,
Junkie, NewComer und natürlich auch (visueller) Künstler".
Durch diese Reihung enthebt Ondreič ka die Worte ihrer Relevanz.
Das "Ich" bleibt darin abwesend. Es ist das, für welches andere
die Begriffe finden, es aber damit verfehlen. Denn selbst das "Ich" wird
nur von den anderen "Ich" genannt: "Sie nennen mich ,Ich' - ,Mich'".
Künstler, geboren 1969, lebt und arbeitet in Bernolákovo
und Bratislava.
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