"Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf"
Edith Schmidt
David Wittenberg Ob es in Pierburg noch Leibeigene
gebe, fragt eine Stimme aus dem Off, die sich, wie der gesamte
Film "Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf" mit dem Streik solidarisiert.
Die Kamera begleitet die Ereignisse bei der Firma Alfred Pierburg
AG im August 1973, als eine Woche lang die Arbeiterinnen für
die Abschaffung der Leichtlohngruppe II - das waren damals 4,70
DM pro Stunde - und gegen Lohndiskriminierung demonstrierten. Die
Firma Alfred Pierburg AG stellte Mitte der 1970er Jahre Vergaser
und Kraftstoffpumpen für die westdeutsche Automobilindustrie
her. Vertrieben wurden diese unter dem Namen "Solex". Von insgesamt
3.800 Beschäftigten waren ungefähr siebzig Prozent Gastarbeiterinnen
und Gastarbeiter, wobei Frauen weit in der Mehrzahl waren. Sie
setzten sich gegendie unterschiedliche Bezahlung für Männer
und Frauen zur Wehr und forderten "Gleicher Lohn für gleiche
Arbeit" und "Eine Mark mehr" proStunde für alle. Auch traten
sie insgesamt für bessere Arbeitsbedingungen ein. In dem
Film berichten sie auch von miserablen Wohnbedingungen in den
werkseigenen Zimmern. Nach und nach wurden die Arbeiterinnen auch
von ihren deutschen (und) männlichen Kollegen voll unterstützt.
Der Streik von Pierburg gilt auch deshalb als legendär, da
er inerster Linie von Migrantinnen initiiert wurde und erfolgreich
war. BeiPierburg wurde erstmals die Leichtlohngruppe II abgeschafft
und auchnicht wieder eingeführt. Außerdem wurde niemand
entlassen und darüberhinaus auch noch die Tarifpolitik der
Gewerkschaften in Frage gestellt.Die Filmemacherin Edith Schmidt
und der Filmemacher David Wittenberg haben "Pierburg: Ihr Kampf
ist unser Kampf" ohne Sendeanstalt undohne Verbindung zu politischen
Gruppen gedreht. Er ist in enger Absprache mit den Streikenden
entstanden und wurde als Öffentlichkeitsarbeitfür und
mit der Belegschaft und dem Betriebsrat produziert. Er war inerster
Linie für Diskussionen, Veranstaltungen und überregionaleBetriebsarbeit
gedacht. Im Fernsehen wurde er nie gezeigt, er lief allerdings
auf zahlreichen Solidaritätsveranstaltungen.
Edith Schmidt, Filmemacherin, geboren 1937,lebt und arbeitet
in Frankfurt am Main.David Wittenberg, Autor und Filmemacher,
geboren 1940,lebt und arbeitet in Köln.
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