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"Where do we migrate to"

Julika Rudelius

Die Sequenzen von "Where do we migrate to?" der Künstlerin Julika Rudelius zeigen, wie Personen ein geordnetes Dasein führen und wie es aufrechterhalten wird. Ein Mann versucht einen Frosch zu fangen, ein Ordnungshüter steht am Straßenrand, ein Busfahrer reinigt seinen Bus, eine Frau jätet halbnackt Unkraut oder ein Mädchen tilgt mittels eines Bunsenbrenners Gras zwischen Pflastersteinen. "Where do we migrate to?" ist eine Sammlung von Gesten und Handlungen, die aus dem Fluss von unwillkürlich gewordenen Verrichtungen ausgeschnitten sind. Auf solche Momente fokussiert, verdichtet sich der Video zu einem Porträt eines eingerichteten und zugleich bedrohten Lebens. "Where do we migrate to?" beschreibt ein Einwanderungsland, das sich seiner selbst nicht sicher ist: Niemand scheint zu wissen wohin die Reise geht und bleibt in kleinen Gesten verhaftet. Die Sequenzen des Videos hat Julika Rudelius während mehrerer Aufenthalte in Deutschland gedreht. Sie selbst wohnt seit längerem in Amsterdam. Anders als in früheren Arbeiten, in denen Rudelius beobachtete Szenen reinszenierte, sind diese Sequenzen direkt gefilmt und lose aneinander gereiht. Es kristallisiert sich ein Habitus heraus, der denjenigen, die in Deutschland aufgewachsen sind, gleichzeitig vertraut und fremd erscheinen könnte. Ein solcher Eindruck entsteht, wenn auf einmal das Unwillkürlichste ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerät. Rudelius schaut durch die Kamera, welche Gesellschaft sich vor ihren Augen formiert. Es ist kein ethnologischer Blick, denn die Kamera nimmt gelegentlich Kontakt zu dem Gezeigten auf. Als Zeitbild wird "Where do we migrate to?" zu einer Allegorie eines wohleingerichteten Lebens, das sich ständig kümmern muss; weniger um Politik oder gesellschaftliche Zusammenhänge, sondern um individuell gewählte Lebensformen, als Teil eines schwer zu fassenden Ganzen.

Künstlerin, lebt und arbeitet in Amsterdam

 

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Julika Rudelius