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"otjesd"

Clemens von Wedemeyer

In "otjesd" hat Clemens von Wedemeyer die Situation des Wartens vor dem deutschen Konsulat in Moskau in einem Berliner Vorortquartier mit russischen Migranten und Migrantinnen nachgestellt. Der Inszenierung gingen Beobachtungen und eine filmische Recherche an den Visaantragsstellen in Berlin und Moskau voraus. Dialoge und Szenarien - die wartende Personen, die Anbieter von Billigreisen, das Hilfspersonal, das an Klapptischen sitzt, oder ein großes Schild sind den Originalsituationen nachempfunden. In Wedemeyers filmischer Umsetzung gleiten diese Situationen vorüber wie ein absurdes Märchen oder ein Traum. Dazu tragen die Kameraführung - eine einzige langsame Fahrt - und das künstliche Licht bei. In einer der ersten Szenen rezitiert ein Mann mitten im Wald ein Majakowski - Gedicht, währende eine junge Frau in pinkfarbenem Anorak nach einem Platz für ihre Tasche sucht, die sie offensichtlich nicht mitnehmen darf. Die Kamera folgt der jungen Frau: Sie wird kontrolliert, kommt mit wartenden Personen in Konflikt, wird beschimpft und geht weiter, ohne ihre Tasche losgeworden zu sein. Der Künstler und Filmtheoretiker Clemens von Wedemeyer erprobt mit dem Schauplatzwechsel (Berlin/Moskau) und Zitaten aus der Geschichte des Films, wie viel Fiktion vonnöten ist, um subjektive Realitäten zu vermitteln. Filmisch vom Dokumentarischen weit entfernt und eher im Format des Illusionskinos gehalten, benutzt Wedemeyer in "otjesd" Fragmente einer Realität, um die surreale Erfahrung mit der Grenz-Bürokratie ins Zentrum zu stellen. Der Film suggeriert eine unendliche Schlaufe, in der die Protagonistin, die ihr Land verlassen will, gefangen zu sein scheint. Ihr Herumirren zwischen Figuren in einem Birkenhain - eine Remiszenz an Russland -, der vorbeifahrende Zug oder die Absurdität des bürokratischen Apparats in seiner Mischung aus Improvisation und Machtdemonstration deuten auf die alltägliche Praxis der Immobilisierung von Nicht-EU-Bürgern hin.

Künstler, geboren 1974, lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin.

 

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Clemens von Wedemeyer