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"Big Sexyland"

Tobias Zielony

Tobias Zielony hat in Berlin über einen Zeitraum von einigen Monaten hinweg junge Männer in einem Pornokino und einem dort angrenzenden Park fotografiert. Die Männer treffen sich hier, gehen Verabredungen ein oder halten sich hier einfach nur auf. Einige von ihnen verdienen sich ihr Geld mit Sexarbeit für Drogen oder fürs tägliche Überleben. Die Szene ist sehr gemischt: deutsche Jugendliche, aber auch junge Männer aus Rumänen, Polen oder Bulgarien. Viele von ihnen nehmen Berlin als Aus-gangspunkt zur Weiterreise. Tobias Zielony, der bereits andere Gruppen von Jugendlichen fotografiert hat, arbeitet im Stil der Reportage. Die nachts oder im künstlichen Licht der Videoprojektion aufgenommenen Bilder haben dabei weder einen skandalisierenden noch romantisierenden Touch. Vielmehr sind sie in der Inszenierung der Personen auf den abgewetzten Sesseln oder mit Spuren von Drogenkonsum zugleich beiläufig und klar. Sie liefern auch keine "verwertbaren" Informationen. Man erfährt über die Fotografien in erster Linie, wie die Männer die Räume nutzen, und selbst das ist anhand ihrer Gesten und Haltungen nicht offensichtlich. Wenn etwa einer der jungen Männer vor dem laufenden Pornofilm posiert, ist dies gemeint als touri-stisches Souvenir aus "Big Sexyland", das Westeuropa für viele darstellt. Sexkinos, die es etwa in Rumänien bis vor kurzem noch nicht gab, gelten - ebenso wie käuflicher Sex - als Versprechen der westlichen kapitalisti-schen Gesellschaften. Ähnliches gilt für Homosexualität, die mittlerwei-le zwar gesetzlich in Rumänien erlaubt, damit aber noch lange nicht gesell-schaftlich akzeptiert ist. Solche auch imaginären Dimensionen hebt Zie-lony mit den Fotografien hervor, insbesondere dann, wenn er die jungen Männer - wie oft - schlafend zeigt, oder nur die leere Leinwand, den Videobeamer und damit das Pornokino als Ort für alle möglichen Wünsche und Projektionen. Entsprechend ist auch das einzige Licht, in dem die Männer im Innenraum zu sehen sind, der gerade gezeigte Film: der ist aber nicht zu sehen, und er interessiert die Fotografierten auch nicht.

Künstler, geboren 1973, lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig.

 

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Tobias Zielony