„Inventur – Metzstraße
11“
Želimir
Žilnik
Wie auf einer Freitreppe
schreiten in "Inventur - Metzstraße 11" die Bewohner und
Bewohnerinnen einer Mietskaserne - die Treppe herab und stellen
sich und ihre Lebensumstände den Zuschauern vor.
Žilnik
enthebt mit diesem minimalen Setting den Verwaltungsbegriff "Inventur",
Bestandsaufnahme, seiner numerischen und bürokratischen
Bedeutung. Zwar ist die Kamera wie in einer polizeilichen Situation
fest installiert, und jede Person identifiziert sich mit Namen.
Es zählt aber nicht die Anzahl der Personen; vielmehr scheint
die Reihe der Personen endlos zu sein. Diese Kamerasituation
garantiert ihre Individualität, denn jede Person liefert
eine eigene Bestandsaufnahme ihrer Situation in der BRD. Sie
selbst bestimmen die Länge oder das, was sie vor der Kamera
erzählen und stellen auch die Peinlichkeit oder die Lust
vor der Kamera zu posieren aus. Alle sind hier Performer und
Performerinnen ihrer eigenen Rolle. Der dafür nötige
Rahmen wird von
Žilnik zur Verfügung gestellt.
Žilnik
drehte diesen Kurzfilm 1975 in München, was nur insofern
relevant ist, als diese Metzstraße damit in Deutschland
liegt. Er lebte von 1973 -76 als Regisseur in der BRD und verfolgte
hier das gleiche Ziel mit seinen Filmen wie in Jugoslawien, das
er nach einem Berufsverbot verließ: Missstände verfolgen
und sich als Filmemacher aktiv in Diskussionen einmischen. Einer
seiner Filme wurde dann auch in der BRD zensiert. "Inventur - Metzstraße
11" ist ein Film, der zusammen mit "Unter Denkmalschutz" (1975)
exemplarisch die Immobilienspekulation in vielen deutschen Großstädten
zeigt. In ehemals großbürgerlichen Wohngegenden wurden
die Wohnungen mit Gastarbeiterfamilien überbelegt, die meist
zu hohen Mietpreise zahlten. Diese Viertel wurden dann als "Ghettos" wahrgenommen.
So entwertet, konnten die Objekte dann - nach der Kündigung
der Mieter und Mieterinnen - als gewinnträchtigere Büround
Eigentumspaläste verkauft werden.
Filmemacher, geboren 1942, lebt und arbeitet in Novi-Sad.
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