"Specimens
of Quasi Creations"
Agency (Int./*1992) Wie andere
Agenturen auch, ist "Agentur" eine fiktive Körperschaft. Sie
wurde 1992 von Kobe Matthys in Europa gegründet und hat ihren
Sitz in Brüssel. Die Agentur archiviert "quasi"-kreative Akte.
Ein solcher Akt liegt dann vor, wenn eine Handlung vor Gericht
als kreative verhandelt werden kann. Quasi-kreative Akte können
dabei gewollte, riskierte aber auch völlig absichtslose Überschreitungen
des gesetzlich Erlaubten sein. Seit 1992 stellt die Agentur Listen
von unterschiedlichen Arten solcher quasi-kreativer Akte zusammen.
Speziell für das "Projekt Migration" wurde die Liste um den
Gebrauch von Zeichen öffentlicher Autoritäten erweitert.
Es handelt sich um Materialen zu juristischen Prozessen, in denen
die Un/Zulässigkeit des Gebrauchs von Hoheitszeichen verhandelt
wurde. Fast alle gezeigten Fälle kamen bis vor das Bundesverfassungsgericht,
wie das Material zum Kopftuchstreit. Bei Hohheitszeichen geht es
um die Wahrung der obersten Interessen des Staates. Nicht zuletzt
markieren sie die Grenzen des Nationalstaats.
Sie umfassen dabei nicht nur nationalstaatliche Symbole wie
Fahnen, Abzeichen, Tiere, Blumen oder Hymnen. Sondern sie schließen
auch Kronen, Wappen, Initialen und Waffen königlicher
Familien, oder die Fahnen und Logos von staatseigenen Konzernen,
von Regierungsorganisationen oder transnationalen Nicht-Regierungs-Organisationen
(NGOs) ein. All diesen Institutionen ist es gemeinsam, über
die vollständige Kontrolle über ihre Symbole zu verfügen.
Die Nutzung ist rechtlich eingeschränkt. Das deutsche
Strafrecht verbietet es, Hoheitszeichen zu verunglimpfen und
verleiht dem Staat die absolute Kontrolle über den Gebrauch
von bestimmten Symbolen. Der Grund lautet: Wahrung der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit. Gesetze, die Warenzeichen schützen,
nehmen die Hoheitszeichen aus, da diese nicht als solche oder
für Designs verwendet werden dürfen. Hier beruht
das Verbot auf dem Grundsatz, die Irreführung der Konsumenten
zu verhindern. Es ist der Macht der Zeichen öffentlicher
Autoritäten inhärent, dass sie attraktiv für
Aneignungen und Umformulierungen sind. Daher bilden sie auch
des öfteren den Gegenstand juristischer Verhandlungen.
Die Hamburger Punkband "Slime" etwa wurde angeklagt, mit ihrer
Verszeile "Deutschland muss sterben, damit wir leben können" den
Staat verunglimpft zu haben. Im November 2000 entschied das
Bundesverfassungsgericht zugunsten der Band.
Die Agentur wurde 1992 von dem Künstler Kobe Matthys
gegründet und arbeitet international.
<< zurück zur Ausstellung |