"hollow
bones"
David Blandy
Vor laufender
Kamera spielt David Blandy auf einem einfachen Plattenspieler
einen Soulklassiker ab und bewegt dazu die Lippen. Trotz der emotionalen
Musik bleibt er bei diesem Playback völlig ungerührt.
Mit Syl Johnsons "Is It Because I'm Black" von 1969 handelt es
sich um den Song der afroamerikanischen Bevölkerungsschichten
vor allem in New York, Chicago und New Orleans in den 1960er/70er
Jahren. Johnsons Stück klagt Diskriminierung, Marginalisierung
und Rassismus an und steht im Kontext des afroamerikanischen Kampfes
um Bürgerrechte in den USA. David Blandy steht als WASP (White
Anglo Saxon Protestants) am anderen Ende der Diskriminierungsskala;
wenn Johnson singt und Blandy ihn mimt, kann das "my" von Johnson
also nicht das "my" von Blandy sein: "The dark brown shades of
my skin only adds to the colour of my tears". Welches "mein" ist
denn hier gemeint? Mit anderen Worten: Wem gehört und wer
hört die Musik, zumal Soul in weitesten Kreisen zu einer soliden
Popkultur dazugehört und gerne mitgesungen wird? Durch die
einfache Geste der Trennung von Stimme und Körper - in
einer anderen Arbeit singt Blandy ein nicht zu hörendes
HipHop-Stück mit - hinterfragt der Künstler unsere
Erwartungshaltungen an Authentizität, hier etwa die allgemeine
Auffassung, nach der man "black" sein muss, um "black" singen
zu dürfen. Blandys Video ist auch eine Anspielung auf
die Tatsache, dass "Blackness" aufgrund der rassistischen Identifizierung
zum politischen Kampfbegriff wurde, was seitens einer weißen
Mittelschicht wiederum romantische Projektionen auf das kämpferische
minoritäre Subjekt auslöste. All diese Assoziationen,
die sich aus der Identifikation mit und gleichzeitigen Abgrenzung
von dem "my" des Songs ergeben, führen dazu, dass sich
dem Zuhörer ein mehr als dreißig Jahre alter Text
neu erschließt.
Künstler, geboren 1976, lebt und arbeitet in London.
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