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"105/7"

Pavel Braïla

Der in Chisinau (Moldawien) lebende Künstler Pavel Braïla lässt mit dem Film "105/7" eine nicht lokalisierbare Reisesituation an den Zuschauern vorüberziehen. Der Film wurde nachts aus dem Wagon 7 des Zuges Nr. 105 gedreht, und das Einzige, was man sieht, sind Reisende in einem parallel fahrenden Zug und eine Bahnstation. Dadurch, dass die Züge abwechselnd schneller fahren, wird einerseits das Bild eines unfreiwilligen Wettrennens erzeugt. Andererseits wird dem Zuschauer der Eindruck vermittelt, dass die Situation vor- und zurückgespult wird. Man bekommt immer wieder dieselben Reisenden zu sehen, so dass man anfängt zu spekulieren, wohin diese Personen fahren und wer sie sind. Zügen kommt im Kontext von Migration eine historische Rolle zu. Wenn am Ende des Films das Rattern des Zuges von dem Schnurren der Kamera abgelöst wird, handelt es sich um eine kinematografische Urszene: Die Verbindung von Zug und Film ist in der Geschichte des Films immer wieder präsent. Kino und Migration entwickelten sich vor demselben historischen Hintergrund: Mit der Industrialisierung wurde nicht nur das Kino erfunden, es begann auch die Arbeitsmigration in ihrer heutigen Form, und Züge wurden dabei zu den wichtigsten Transportmitteln. Braïla, dem es in seinen Arbeiten immer wieder um die kulturelle oder ökonomische Bedeutung des Durchquerens von Raum geht, entwirft mit seiner Reise durch einen nicht wiedererkennbaren Zwischenraum ein Symbol des transitorischen und ortlosen Zustands der Migration. Dies betrifft nicht zuletzt Moldawien, in dem viele Personen zur Arbeitsmigration gezwungen sind. Die Gründe dafür werden international allerdings kaum wahrgenommen, sind also ähnlich unsichtbar wie die Umgebung in Braïlas Film.

Künstler, geboren 1971, lebt und arbeitet in Berlin und Chisinau.

 

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Pavel Braïla