projektmigration  
Thema      Projekt      Partner        Führungen      Archiv      Informationen         
      Programm             
d | e
   
 

"Türken in Deutschland"

Candida Höfer

Die Kölner Künstlerin Candida Höfer fokussiert mit ihren Fotografien öffentliche Institutionen und Orte, die kulturelles Wissen speichern sowie zeit- und ortsbedingte Kulturformen, wie Museen, Bibliotheken oder Zoos. Ihre Bilder sind dabei menschenleer und nur die Objekte lassen Rück-schlüsse auf ihre Benutzer und Benutzerinnen zu. Die frühe Fotoserie "Türken in Deutschland" hingegen lässt sehen, wie türkische Migranten und Migrantinnen das Bild der deutschen Städte prägen. Höfer berichte-te, dass sie nach einiger Zeit der Abwesenheit erstaunt war, wie sehr in Köln die Migration sichtbar geworden ist. Die Aufnahmen entstanden seit 1972 und erstmalig zeigte Höfer eine Version der Serie 1975 als Diapro-jektion an der Toreinfahrt der Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf. 1979 wurde daraus eine Doppelprojektion, ergänzt um die Serie "Türken in der Türkei". "Türken in Deutschland" besteht aus Einzel-, Gruppen oder Familienpor-träts zu Hause oder im Park, am Hauptbahnhof, in türkischen Cafés und immer wieder in Einzelhandelsläden. Die formal strengen Bilder lassen ersehen, dass die meisten Personen inszeniert worden sind. Oft schauen sie direkt in die Kamera, sie nehmen einen markanten Punkt im Raum ein oder sind zu Gruppen angeordnet. Höfer spielt hier mit verschiedenen Formen des privaten Gebrauchs von Fotografie: Die Personen sind immer wieder wie bei feierlichen oder offi-ziellen Gruppenaufnahmen inszeniert - nur nicht in einem Fotostudio oder an bekannten Orten in der Stadt, sondern im städtischen Raum, zu Hause und an ihren Arbeitsplätzen. Die knappen Titel, etwa "Ratingen 1976", wiederum greifen die Konvention privater Alben auf, Ereignisse nur mit Ort und Datum zu versehen. Konträr zur Privatheit des Albums, erhebt Höfer mit einem solchen Titel die Fotografien zu dem aktuellen reprä-sentativen Bild einer Stadt oder eines städtischen Ortes: Rudolfplatz Köln, Hauptbahnhof Düsseldorf, Pulverteich Hamburg. Indem Höfer so mit den Codes von Privatheit und Öffentlichkeit spielt und die Aufnahmen als offizielle inszeniert, prägt sie offensiv ein kulturelles Gedächtnis mit. Des-sen Institutionen wird sie in ihren späteren Arbeiten dann ohne Personen fotografieren.

Künstlerin, geboren 1944, lebt und arbeitet in Köln.

 

<< zurück zur Ausstellung

    

 

Candida Höfer