"Rien ne vaut que la vie, mais la vie même ne vaut rien (Nichts ist wie
das Leben, aber das Leben ist nichts)"
Brigitta Kuster
Mabouna II Moise Merlin
Die Installation beginnt reportageartig: Es wird an einem Tisch
zusam-men gesprochen. Erzählt wird über den Alltag in
einem Heim für Ayslsu-chende in Zerbst, Sachsen-Anhalt. Es
geht um Residenzpflicht, Alltags rassismus, Monotonie, Perspektiv-
und Ressourcenlosigkeit, von Zwangs-gemeinschaften und Freundschaften
oder die Tristesse der deutschen Pro-vinz, wo Asylbewerberheime
meistens liegen. Alle Beteiligten sind dabei Darsteller in ihrem
eigenen Films. Denn es gehört zu dessen Produkti-onsprinzip,
alle an dieser zu beteiligen. So wurde zwischen der Initiato-rin
des Films Brigitta Kuster und Mabouna II Moise Melin sowie Arzou-ma
Onadja, Eric Nkemassson, Oumar Mama Salissou, Quaho Wartan und
Jacques Mundi lange diskutiert, wie ein Film über Asylbewerberheime
machbar sei, ohne nur allzu bekannte Alltäglichkeiten zu reproduzieren.
Immer wieder bringt und verknüpft der Film die Filmerzählung über
das Asylbewerberheim mit Überlegungen, wie jemand überhaupt
zum Flücht-ling wird. Denn das wird jemand erst durch die
Erfahrungen in den Hei-men, durch das Befolgen von Verhaltensregeln
sowie durch die dortige Auf-enthaltszeit, innerhalb der sich das
eigene Denken verändern kann. Das-selbe gilt auch für
die andere Seite der Erfahrung des Films: während seiner Herstellung
zum Filmemacher zu werden. Es ist nur konsequent, dass der Film
auf einer Kommentarebene von sei-ner Produktion her aufgerollt
wird und Fragen dokumentiert: Wer spricht zu wem, wer stellt dar
und unter welchen Umständen passiert ein Film? Moise Merlin
kommentiert seinen Wunsch, nicht noch mehr "traurige Bil-der" von
diesen Heimen zu produzieren. Es wären auch die Bilder einer
aufklärerischen sozialen Reportage, die fast immer auf einer
Außenposi-tion beruhen. Wenn Moise Merlin dann eine Feier
filmt, wird deutlich, dass solche Momente des Genießens der
Gesamtsituation nur mühsam abgerungen sind.
Brigitta Kuster, Filmemacherin, geboren 1970, lebt und arbeitet
in Zürich und Berlin. Mabouna II Moise Merlin, Künstler,
geboren 1976, lebt seit 2001 in Deutschland.
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