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"Grüne Grenze"

Christian Philipp Müller

In der Installation aus den Tafeln und Zeichnungen von "Grüne Grenze" und dem Video "2562 km" entfaltet der Konzeptkünstler Christian Philipp Müller einen gesellschaftlichen und historischen Zusammenhang von Staatsbürgerschaft, Natur und Künstlerrolle. Für seine institutionskritischen Arbeiten, die er seit den 1980er Jahren verfolgt, schlüpft er dabei immer wieder in unterschiedliche Rollen: Stadt- oder Museumsführer, Botaniker und hier nun touristischer Wanderer. Das Video zeigt ihn in freier Natur beim illegalen Grenzübertritt von Österreich nach Italien, Liechtenstein, Deutschland, Tschechien, Ungarn, Slowenien, in die Schweiz und die Slowakei - im Jahre 1993. Dabei ging er über grüne, nicht ständig überwachte Grenzen, die meistens nicht deutlich auszumachen sind. Seine Freizeitkleidung - kulturell codiertes Zeichen für Naturverbundenheit und prinzipielle Unverdächtigkeit - diente zur Tarnung. Die Wegbeschreibungen dazu finden sich in "Grüne Grenze" auf den vor Tuschezeichnungen angebrachten Plexiglastafeln. Neben dem Weg, den Anreiseinformationen, dem Schwierigkeitsgrad etc. ist hier auch die beste Tarnung vermerkt. Müller macht sich so zum Komplizen des illegalen Grenzübertritts und hinterfragt dabei die eigene Rolle: Wenn ein Künstler Staatsgrenzen überschreitet, ist das noch Kunst oder schon illegal? Endet mit der Grenze die künstlerische Freiheit? Diese Fragen stellten sich ganz konkret, als sich in Österreich eine kontroverse Debatte wegen der Einladung an Müller als Nichtösterreicher zur Biennale entspann, anlässlich derer die Arbeit entstand. Denn die Biennale ist seit ihrer Gründung 1895 vornehmlich eine nationale Kunstleistungsschau. Das Jahr 1895 ist aber auch für das nächste Element der Installation, die Tuschezeichnungen mit ihren Archivstempeln, ein signifikantes Datum. Es handelt sich um Vorstudien für das "Kronprinzenwerk" - die letzte große Enzyklopädie der österreichisch-ungarischen Monarchie von 1895. 264 teils namhafte Künstler wurden damals beauftragt, Land- und Ortschaften der Provinzen zu zeichnen. Seitdem im 19. Jahrhundert die "natürlichen Grenzen" den territorialen Anspruch der Nationenbildung mitbestimmten, ist das künstlerische Genre des heimatlichen Landschaftsbildes zentral für dessen kulturelle Verankerung in europäischen Gesellschaften. Müller bewegt sich in "Grüne Grenze" und "2562 km" insofern nicht nur auf dem Grat zwischen Kunst und Illegalität, sondern geht auch gegen das Konglomerat aus Repräsentationskunst, Idylle und heimatverbundenem Nationalgefühl an.

Künstler, geboren 1957, lebt und arbeitet in Köln und New York.

 

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Christian Philipp Müller