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"Sonderzüge"

Krsto Papić

Der Film "Sonderzüge" des kroatischen Filmemachers Krsto Papić ist die erste Dokumentation über die Anwerbung und die Abreise jugoslawischer Gastarbeiter in die Bundesrepublik. Die "Sonderzüge" fuhren jeden Dienstag von Zagreb nach München. Von dort aus wurden die angeworbenen Arbeiter und Arbeiterinnen über die BRD verteilt. Papić konzentriert sich in "Sonderzüge" auf drei für die Anwerbung prägnante Stationen: die Anwerbeprozedur mit der medizinischen Untersuchung, die Reise selbst sowie den Empfang in der so genannten "Weiterleitungsstelle" unter dem Münchner Hauptbahnhof, in einem ehemaligen Luftschutzbunker. Auf diese Weise setzt Papić alle Beteiligten ins Bild: Die Migrantinnen und Migranten, die Mitarbeiter der deutschen Auswahlkommission sowie die jugoslawischen Staatsbeamten, und damit denkbar unterschiedliche Sicht- und Redeweisen und Stufen der Entmenschlichung. Der Anwerbekommissar spricht von den Personen als Waren: Die jugoslawischen Gastarbeiter seien beliebt aufgrund ihrer "guten Qualität". Die Sprache der Bürokratie kommt in München voll zum Tragen: Hier werden die Angeworbenen nicht mehr mit Namen, sondern mit der Ziffer ihres Arbeitsvertrages angesprochen. Die jugoslawischen Behörden wiederum adressieren sie als Vertreter ihres Heimatlandes und ermahnen zum guten Betragen. Gegen all diese Formen der Anrede stehen die Gespräche und Kommentare der Migranten und Migrantinnen, die während der Fahrt von ihren Motiven und Reisegründen erzählen. Keiner der Befragten scheint freiwillig gegangen zu sein, sondern um einer finanziellen oder privaten Notsituation zu entkommen. Trennungsschmerz vermischt sich hier mit Unverständnis für die Situation bis hin zur scharfen Kritik an der Behandlungsweise wie auch an der Politik des eigenen Landes, die dazu geführt hat, dass Bürger zur Ausreise gezwungen sind.

Filmemacher, geboren 1933, lebt und arbeitet in Zagreb.

 

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