"Guadalupe"
Susan Philipsz Die Soundarbeit
mit dem klangvollen Namen "Guadalupe" gibt die Geräuschkulisse
eines Busbahnhofs in Texas wieder. Guadalupe ist eine Kleinstadt
in Arizona, in die eine Person zu reisen versucht, aber schon am
Busbahnhof hängen bleibt. Im Hintergrund tönt eine kitschige
Instrumentalversion des berühmten Bluessongs "I'm so lonely,
I could cry" von Hank Williams. Später kommt eine Stimme hinzu,
die dieses Lied mitsingt, und eine Frau, die nach Guadalupe fragt.
Susan Philipsz entwirft hier ein Szenario für die Lage, fremd
in einem fremden Land zu sein. Für sie verbindet sich die
Frustration der Sprachbarriere, das Gefühl der Desorientierung
und sich immer nur im Kreise zu drehen mit der kitschigen Walzerversion
in der Busstation. Dies wird unterstrichen von dem Refrain "I'm
so lonely, I could cry". In deutlichem Kontrast zum synthetischen
Muzakklang steht die individuelle Singstimme. Obwohl das Lied
schon Millionen Mal gehört worden ist, reklamiert diese Person
es für sich und bindet daran persönliche Erlebnisse.
In diesem Reibungsfeld zwischen massenproduziertem Sound und subjektiver
Erfahrung und Erinnerung, die sich gerade an diesen Sound heften,
siedelt Susan Philipsz ihre Arbeiten an. Gleichzeitig ruft der
Klang des Wortes "Guadalupe" die Sehnsucht nach Orten mit exotischen
Namen auf, die Suche nach Erlebnissen oder einem guten Leben. Im
Fall von Guadalupe, Arizona, hilft die Klangnähe zum Inselparadies
Guadeloupe. Doch selbst Ersteres wird nicht erreicht.
Künstlerin, geboren 1965, lebt und arbeitet in Belfast
und Berlin.
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