"Passagen"
Lisl Ponger In dem Film "Passagen" hat
die in Wien lebende Künstlerin und Filmemacherin Lisl Ponger,
die ethnologische Recherche als Teil ihrer künstlerischen
Arbeit versteht, zwei Erinnerungsspuren lose übereinander
gelegt. Filmbilder und Erzählungen verbinden dabei Topografien
von Tourismus und Emigration. Die Filmaufnahmen entstammen Amateurfilmmaterial
und sind typisch für den touristischen Blick mit seiner Faszination
für exotische Orte. Solche Reisebilder, die Ponger zum Gegenstand
vieler ihrer Arbeiten macht, "füttern das kollektive Imaginäre
eines heimatlichen Publikums mit Anschauungsmaterial für Alterität" (Christian
Kravagna). In "Passagen" sind es die touristischen, privaten Erinnerungsbilder,
die von der Sehnsucht nach Ferne und nach dem Anderen erzählen.
Gleichzeitig sind diese Bilder mit den Privilegien jener Bevölkerungsschicht
assoziiert, für die es möglich ist, ferne Orte zu bereisen.
Dessen wird man sich anhand der zweiten Erinnerungsspur, dem Ton,
bewußt. Es sind Erzählungen unterschiedlicher Personen,
die sich auch auf einige der touristischen Orte beziehen, allerdings
zeitgleich zu den Momenten, wenn diese Orte im Film zu sehen sind.
Es fallen Namen wie Casablanca, Shanghai oder New York, aber auch
Sätze wie "Hier in Nauders müsste es möglich sein".
Ohne dass der Film es explizit ausspricht, erzählen ehemalige
jüdische Flüchtlinge von ihren Reiseerfahrungen, als
sie zur Zeit des Nationalsozialismus aus Wien vertrieben worden
sind. Ponger bringt so die beiden gegensätzlichsten Formen
des Unterwegsseins im 20. Jahrhundert zusammen: Tourismus und Zwangsemigration.
Diese Gegenläufigkeit von Bild und Narration wird in den wenigen
Momenten besonders deutlich, wenn sie sich berühren, die Namen
der vorher oder später gezeigten Orte ausgesprochen werden
oder - obwohl die zu hörende Stimme von einer negativen Ausnahmesituation,
von Flucht oder Vertreibung, spricht - von der Schönheit des
Himmels und des Wassers die Rede ist.
Filmemacherin, geboren 1947, lebt und arbeitet in Wien.
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