"[Inverse] Saisonstadt oder Saison Opening"
Michael Zinganel
Hans-H. Albers
Maruşa Sagadin
Michael Hieslmair Nachdem ab 1999/2000 private
deutsche Arbeitsvermittler in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice Österreichs
in den neuen Bundesländern der BRD offensiv Saisonarbeitskräfte
für die Wintersaison anzuwerben begannen, drängen immer
mehr Deutsche in die Alpen - um zu arbeiten, wo andere Urlaub
machen. Das Projekt " [Inverse] Saisonstadt oder Saison Opening" von
Michael Zinganel (Kulturwissenschaftler, Architekturkritiker
und Künstler, Wien), Hans-H. Albers (Architekt und Urbanist,
Graz), Maruşa Sagadin (Künstlerin, Graz) und Michael
Hieslmair (Architekt und Künstler, Wien) beruht auf Interviews über
die Erfahrungen von Arbeitsuchenden, Arbeitsvermittlern und -vermittlerinnen
und Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen mit diesem neuen "care
drain". In der Installation werden eine fiktive schrumpfende
Stadt im Osten Deutschlands als Quellregion (von Touristen und
Saisoniers) und eine reale boomende Tourismushochburg in den
Bergen Tirols (Sölden im Öztal) assoziativ als sich
wechselseitig füllende und entleerende Gefäße
gegenüber gestellt. Nicht nur die Probleme des Infrastrukturmanagements
bei radikalen saisonalen Schwankungen werden dabei untersucht,
sondern auch die Beziehung der saisonalen Pendler und Pendlerinnen
zu ihrer eigenen Heimat. Diese verwandelt sich sukzessive vom
Alltäglichen in das Außeralltägliche "touristischer" Bild-
und Erlebniswerte. Für das Projekt wurden die biographischen
Stränge und die realen mikropolitischen Visionen der Akteure
zeitlich, räumlich und sozial so weit verdichtet, dass sich
daraus ein Bild optimistischer Handlungsoptionen folgern lässt.
Am Beispiel eines kleinen Lokales, das von einer ehemaligen Saisonarbeiterin
in ihrer Heimat eröffnet wird, wird gezeigt, wie sich der
Kultur- und Know-how-Transfer und die Nutzung der transnationalen
sozialen Netzwerke touristischer Subkulturen produktiv verdichten
können und aus den heterogenen, touristischen Erfahrungen
unerwartete Chancen zur Selbstermächtigung der Akteure entstehen.
Das Projekt entstand im Rahmen von "Shrinking Cities", ein
Recherche-und Ausstellungsprojekt, initiiert von der Kulturstiftung
des Bundes.
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