"Làk-kat"
Anri Sala Der Titel der Arbeit "Làk-kat" des
Videokünstlers Anri Sala ist einer der sengalischen Landessprachen,
dem Wolof, entnommen. "Làk-kat" bedeutet eine Person, deren
Muttersprache nicht diejenige des Landes ist, in dem sich diese
Person aufhält. Schon diese umständliche Erklärung
deutet an, womit sich Salas "Làk-kat" auseinander setzt:
mit Bedeutung und Bedeutungsverlust, mit Referenzen und (Un-)Übersetzbarkeit
von Sprache. Im Rahmen eines minimalen Settings - drei Kinder
und ein Erwachsener in einem dunklen, nur von einer Neonröhre
spärlich erleuchteten Raum - lässt Sala die Bezeichnungsfunktion
von Sprache ins Leere laufen. Die Kinder werden aufgefordert,
bestimmte Worte immer wieder nachzusprechen, machen aber Fehler,
lassen sich durch die Falter im Raum ablenken und scheinen die
Bedeutung der Worte nicht wirklich zu verstehen. Die Worte beziehen
sich auf Helligkeit und Dunkelheit. Während die Wolof-Worte
für Grün, Gelb oder Blau durch französische Vokabeln
ersetzt worden sind, gibt es eine große sprachliche Bandbreite
für Schattierungen der Hautfarbe, des Lichtes und von Schwarz
oder Weiß. Auf dieses Farb- und Wortspektrum konzentriert
sich der Film auch mit seinen filmischen Mitteln. Er ist zwar
in Farbe gedreht, aber auf dieselben Hell-Dunkel-Töne reduziert,
die die Kinder benennen. So wird unklar, auf was sich die Vokabeln
beziehen: auf die Farbtöne des Films, auf den Raum und die
Lampe, auf Hautfarben, auf Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit. Die Betrachter
werden auf diese Weise damit konfrontiert, wie sehr ihr eigenes
Verständnis von Worten kulturell ist. Gleichzeitig werden
die Worte von den Kindern so oft wiederholt, dass sie ihre Bedeutung
verlieren und zu einem abstrakten Klangmuster werden. Auf diese
Weise zerstreut Sala - selbst bei dieser überschaubaren Konstellation
von "Làk-kat" - jede Gewissheit bezüglich dessen, was
man hier zu sehen oder zu verstehen meint.
Künstler, geboren 1974, lebt und arbeitet in Berlin.
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