"Polen"
Christoph Schäfer Die
zunehmende Privatisierung der Stadt und die Rückgewinnung
des öffentlichen Raums sind die zentralen Themenfelder des
Künstlers und Regisseurs Christoph Schäfer. Er engagiert
sich in Gemeinschaftsprojekten und hat als Mitinitiator von "Park
Fiction" den Bürgerpark am Flussufer in St. Pauli realisiert. "Polen" zeigt
die unsichtbaren Hände, die in Deutschland die modernen Investorenarchitekturen
seit den 1980er Jahren erbauen. "Polen" besteht aus einem Text
und der Fotografie einer Mauer, in die das Wort "Polen" eingeschrieben
ist. Polnische Arbeiter hatten farblich leicht unterschiedliche
Steine so gemauert, dass ein monumentales Mosaik entsteht. Damit
machten sie nicht nur sich selbst, sondern auch einen Prozess sichtbar,
der in den 1980er Jahren und verstärkt seit 1989 eingesetzt
hat. Denn gerade seit dieser Zeit sind auf den Großbaustellen
zunehmend Saisonarbeiter und Pendelmigranten beschäftigt.
Dies betrifft bei weitem nicht nur Arbeiter aus Polen, sondern
auch aus Deutschland, die in Amsterdam auf der Großbaustelle
der U-Bahn arbeiten. Innerhalb der Städte, die sie im Begriff
sind mitzugestalten, werden die Saisonarbeiter allerdings kaum
sichtbar. Denn mit Wohnungen und sozialen Beziehungen in anderen
Ländern nehmen sie am gesellschaftlichen Leben ihrer jeweiligen
Arbeitsstadt nicht wirklich teil. Die Signatur "Polen" dagegen
markiert, wer die Embleme des Wohlstands miterrichtet hat, die
wesentlich für die westlichen Identitätskonstruktionen
und das Versprechen auf ein gutes Leben sind.
Künstler, geboren 1964, lebt und arbeitet in Hamburg.
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