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"Saint Bernard, Paris, 23 août 1996"

Anne-Marie Schneider

Die Zeichnungen von Ann-Marie Schneider dokumentieren und kommentieren die Ereignisse in Paris 1996, als am 18. März 1996 dreihundert Afrikanerinnen und Afrikaner ohne gültige Papiere zunächst die Kirche Saint-Ambroise und im Juli die Kirche Saint-Bernard besetzten. Aus dieser Besetzung ist eine der wichtigsten sozialen Bewegungen, die der "Sans Papiers", hervorgegangen. Sie hat die Illegalisierung von Migranten in Europa erstmals auf die Tagesordnung gebracht. In Paris waren diese Besetzungen Teil eines Jahre dauernden Kampfes um die Regularisierung ihres Aufenthalts. Am 12. August drang die Polizei in die Kirche Saint-Bernard ein und räumte diese. Als kurze Zeit später die Migranten in die Kirche zurückkehrten, wurde ihre Situation zum Thema der breiten Öffentlichkeit. Am 23. August stürmte die Polizei erneut die Saint-Bernard. Zehn Afrikaner wurden sofort abgeschoben; die übrigen wurden durch die Justiz wieder auf freien Fuß gesetzt. Anne-Marie Schneider, die ehemals Musikerin war und nun vor allem Animationsfilme produziert, lässt die Zeichnungen zu Embleme für Stürmung, Gewalt und Abschiebung werden. In der festgelegten Bildreihe folgen sie dabei der Folge der Ereignisse und der polizeilichen Strategie der Steigerung der Gewalt. Eingestreut sind Zeichnungen, die die weltweiten Lebens- und Arbeitsverhältnisse kommentieren: u. a. zum Thema Flexibilisierung - eine Zeichnung, bei der eine schwarze Farbfläche in verschiedene Eimer mit weißer Farbe läuft und die sich auf den Vertrag von Maastricht, eine der Wegmarken der Europäisierung der Migrationspolitik, bezieht; oder Nähmaschinen, aus denen billige Markenimitate quellen - hier versehen mit einem Krokodil; oder nur Begriffe wie "monde", der auf Konservendosen steht und in vielfachen Spiegelungen zersplittert ist. Aufgegriffen wird dieses Wort durch einen realen Gegenstand auf einem Stuhl: die Cola-Dose als Zeichen für Globalisierung. Sie verbindet die "Welt" der Betrachter mit der Installation.

Künstlerin, geboren 1962, lebt und arbeitet in Paris.

 

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Anne-Marie Schneider