"Ismet Alkan. Hochofenarbeiter"
Wolfgang Staiger Der Bildjournalist
Wolfgang Staiger hat der Stahlproduktion im Ruhrgebiet eine umfangreiche
Serie gewidmet. Nach den Schließungen vieler Hütten
in den 1970er Jahren setzte 1988 ein unerwarteter Stahlboom ein.
Zu dieser Zeit arbeiteten Ismet Alkan und Alex Buschhoff beide
bei der Hoesch Stahl AG. Staiger zeigt mit diesen beiden für
dieselbe Firma arbeitenden Personen sehr unterschiedliche Arbeitsbiographien
und Weisen, die Freizeit zu gestalten. Ismet Alkan wurde 1971 von
seinem Vater zum Geldverdienen aus Anatolien nach Deutschland
geholt. Er war damals 15 Jahre alt und sollte als Maschinist bei
einem neuen Kaltwalzwerk angelernt werden. Doch die Anlage wurde
zugemacht. Ismet nimmt die extrem harte körperliche Arbeit
am Hochhofen an, um die noch relativ junge eigene Familie zu ernähren.
Ein Bild zeigt Ismet Alkan im Schutzanzug, als er über einen
flüssigen Schlackestrom springt, der sich zu diesem Zeitpunkt
auf 1200 Grad Celsius abgekühlt hat. Eine weitere Aufnahme
zeigt ihn bei glühender Hitze an der Abstichrinne. Alex Buschhoff
ist "Stahlkocher" beziehungsweise Konverermann. Im Konverter wird
flüssiges Roheisen unter Beigabe von Zuschlagstoffen sowie
durch das Edelgas Argun und Stickstoff zu Stahl gefrischt. Der
Ablauf ist zwar rechnergesteuert, aber die Kontrolle der Qualtiät
bleibt dem Konvertermann überlassen. Alex Buschhoff ist hier
bei der Nachtschicht, im Kontrollraum oder bei der Abnahme einer
Probe dokumentiert. Ismet Alkan repräsentiert eine typische
migrantische Arbeitsbiografie, die zum Phänomen der "Unterschichtung" geführt
hat. Denn Migranten arbeiteten in der Industrie fast immer im Niedriglohnsektor.
Anders als ihre deutschen Kollegen hatten sie kaum Aufstiegsmöglichkeiten
und Weiterbildungskurse waren für die meisten nicht vorgesehen.
Gleichzeitig lasse die Fotografien von Ismet Alkan und Alex Buschhoff
sehen, dass die Industrie ein Ort des gemeinsamen Arbeitens war.
Seit der Deindustrialisierung sind mit den Arbeitsplätzen
auch solle Orte immer mehr verschwunden. In der Freizeit gingen
Einheimische und Migranten ohnehin meist getrennte Wege. Staiger
dokumentierte auch die unterschiedlichen Orte der Sozialisation
seiner Protagonisten.
Bildjournalist, geboren 1950, lebt und arbeitet in Essen.
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